Und nächstes Jahr - 8a!
- Birte Gutmayer
- 4. Jan.
- 10 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Jan.
Realistisches Ziel oder kühner Traum?
Zehna - kein Thema?!
Wenn zu dieser Jahreszeit die Tage kurz, die Abende lang sind und wir uns die Zeit zum Nachdenken nehmen, fällt es uns tendenziell leicht, uns ehrgeizige Ziele für das neue Jahr zu setzen. Doch der Grad zwischen ambitioniertem Ziel und kühnem Traum ist schmal.
Manch ein Ziel wird nie den Sprung von der Wunschliste in die Realität schaffen. Vor allem dann nicht, wenn wir uns bei der Zielsetzung zu sehr von äußeren Meinungen beeinflussen lassen: Posts auf Social Media flößt dir ein, dass mit dem "richtigen Mindset" alles möglich ist. Befreundete und stärkere Kletterer/innen hingegen spielen oft die tatsächliche Schwierigkeit von höheren Graden herunter.
Wer sich jedoch frei von Simplifizierung und Trivialisierung seine ganz eigenen Ziele setzt, der befindet sich auf einem guten Weg Richtung Erfolg.
Ernüchternde Zielverfehlung
Beim Coaching stelle ich im Erstgespräch mit Kletterern immer wieder fest, dass es drei wesentlich Gründe gibt, warum Ziele nicht erreicht werden:
Das Ziel ist überambitioniert, weil sich Erfolg langsamer einstellt, als gedacht.
Das Ziel ist unrealistisch, weil die Basis an Können und Erfahrung fehlt und
Der Plan passt nicht zur Zielerreichung, weil Stärken und Schwächen falsch eingeschätzt werden.
“Die Erkenntnis, dass Wünsche Träume bleiben, ist schwer zu verkraften und deshalb zu vermeiden.”
Da stellt sich nun die Frage, welche Routen welchen Grades im nächsten Jahr als realistisch eingeschätzt werden dürfen und welche besser auf das übernächste Jahr verschoben oder gleich zum Lebensziel deklariert werden sollten. Natürlich hängt die Höhe des Zieles stark von der Bereitschaft zu körperlicher und mentaler Anstrengung ab, doch bisher ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Realistische Zielsetzung: Ein Plus pro Jahr
Verbesserungen stellen sich grundsätzlich nur langsam ein. Auch wenn einem positiven Mindset eine gottgleiche Allmächtigkeit zugeschrieben wird, ist uns doch eigentlich klar, dass dieses allein nicht reicht. Das positivste Mindset der Welt macht aus einem Sportmuffel nicht plötzlich ein Sportfreak.
Ganz im Gegenteil: Veränderungen brauchen Zeit in allen Lebensbereichen, auch zum Erlernen neuer Gewohnheiten und neuer Skills: Muskeln, zum Beispiel, sind auf viele starke Reize angewiesen und wachsen nicht allein durch Eiweißshakes. Sehnen und Bänder brauchen Jahre, um sich an neue Belastungen zu gewöhnen und die Umprogrammierung ineffizienter Bewegungsmuster in elegante Bewegungsabläufe benötigen drillartige Wiederholungen. All diesen Anpassungen liegen veränderte tägliche Gewohnheiten zu Grunde.
“Wie viel Zeit und Kraft neue Gewohnheiten erfordern wird oftmals unterschätzt.”
In meinen besten Jahren habe ich mich um ein Plus pro Jahr gesteigert. In jedem Jahr gelang mir nur ein kleiner, aber immerhin steter Schritt, zum Beispiel von 7b auf 7b+ oder von 7b+ auf 7c und so weiter bis zu 8c+. Die vielen Funken der Verbesserung führten schließlich dazu, dass ich mich von 7b im Jahr 2013 auf 8c+ in 2025 steigern konnte. Voraussetzung für diesen steten Prozess war nicht nur ein positives Mindset mit einem starken Glauben an mich selbst, sondern vor allem auch ein stabil wachsendes Fundament an Können und Erfahrung.

Ein Fundament bauen: Die Kletterpyramide
Jede Zahl mit Null multipliziert bleibt Null: Aus Nichts kann Nichts werden und wenn das physische, technische und mentale Fundament fehlt, wird es ziemlich schwer eine neue Spitzenleistung zu erreichen. Um ein solides Fundament aufzubauen, empfehle ich, sich an der Kletterpyramide zu orientieren, die ein ideales Verhältnis von gekletterten Graden von 9:3:1 vorgibt.
Sagen wir mal, du möchtest deine erste 7a klettern, dann solltest du zuvor neun 6c und drei 6c+ geklettert haben. Wenn du das geschafft hast, ermöglicht dir dein Kletterkönnen ziemlich sicher deine erste 7a. Die Wahrscheinlichkeit, dass du sie schaffst, ist dann enorm hoch.
Noch besser ist es, wenn du die neun Routen deiner Basis in verschiedenen Styles geklettert bist, zum Beispiel: senkrechter Granit mit Rissen, versinterter Überhang, undefinierter Kalk, löchriges Konglomerat oder boulderlastiger Sandstein.
“Je mehr Vielfalt deine Begehungen aufweisen, desto mehr Kletterskills hast du schon erlernt, die du wiederum in schwereren Routen Anwendung finden.”
Je höher du in deiner Pyramide gehst, desto mehr sollte dein Projekt deinen Stärken entsprechen. Außerdem sollte die Pyramide nicht in Stein gemeißelt sein, denn Anfänger und Profis unterscheiden sich auch in der Art und Weise, wie sie mit langen Projektzeiten und scheinbar unüberwindbaren Schwierigkeiten umgehen.
Deshalb darf die Pyramide eines Anfängers etwas breiter ausfallen:
12 x 6a / 6 x 6a+ / 2 x 6b
und die eines Profis etwas steiler:
3 x 8b+ / 2 x 8c / 1 x 8c.
Der richtige Plan: Ein neuer Trainingsschwerpunkt
Während Schach ein besonderes Maß an mentaler Leistung, Golf an Technik, Gewichtheben an Muskelpower und Laufen an Kondition erfordert, ist Klettern ein Sport, der viele verschiedene Skills in gleichem Maße abfragt. Viele versuchen zwar mit mehr Kraft oder Kraftausdauer, sich auf das nächste Level zu heben, missachten aber die Einflüsse von Flexibilität, Technik, Taktik und mentaler Stärke.
Sei mal ehrlich zu dir selbst! Was trainierst du hauptsächlich für das Klettern? Und passt das, was du dauerhaft machst, zu deinen Zielen?
Mit viel Kraft kannst du vielleicht viele andere Skills kompensieren, aber ein Übermaß an Ausdauer hilft dir zum Beispiel keinesfalls in der Schlüsselstelle. Viele Kletterer und Kletterinnen über- und unterschätzen grundsätzlich ihre Fähigkeiten in den leistungsbestimmenden Faktoren. Viele Männer verfügen meist über mehr als genug Oberkörperkraft und viele Frauen verfügen oftmals über genügend Ausdauer.
Doch woran es oftmals mangelt, ist
ein gut gefülltes Bewegungsrepertoire
Perfektion in der Bewegungsausführung
Merkfähigkeit und Bewegungsvorstellung
Fingerkraft und Körperspannung.
Was tust du, um an diesen Stellschrauben zu drehen? Welchen Trainingsschwerpunkt setzt du momentan und welchen solltest du eigentlich setzen, wenn du deine Ziele wirklich erreichen willst?

Wie Ziele, Pläne und Motivation zusammenhängen
Jeder Zielerreichung folgte bisher immer eine weniger motivierte Kletterphase. Je größer der Erfolg war, desto länger zog sich die Phase zur Rückgewinnung der Motivation. Meistens lag es daran, dass ich mein Ziel erreicht hatte, aber noch nicht wusste, wo es als nächstes hingehen sollte. Doch jede dieser unmotivierten Phasen überwand ich, indem ich mir ein neues Ziel setzte und einen Plan entwickelte, um dieses Ziel zu erreichen.
“Gute Pläne sind mein Grundstein, ja fast schon mein Mantra für mein tägliches Training.”
Doch obwohl ich immer auf eine realistische Zielsetzung geachtet habe (Ein “Plus” pro Jahr und die Pflege der Kletterpyramide), gab es trotzdem einige harte Tage oder gar Wochen, in denen mich die Realität einholte!
Und jedes Mal kam ich zur gleichen Erkenntnis: Mein Plan passte nicht zu meinen Zielen. Er hat mich nicht dahin geführt, wo ich hin wollte. An meinen realistisch gesetzten Zielen habe ich immer festgehalten und immer geglaubt, dass ich es eines Tages doch noch schaffen werde. Ich wusste, dass ich mit dem richtigen Plan, der auf meine persönlichen Schwächen und die konkreten Anforderungen der Route zielt, auch Erfolg haben werde.
"Das Schwierige für mich war weder die Zielsetzung, noch die Umsetzung des Plans, sondern immer die alles entscheidende Planerstellung."
Glücklicherweise kann ich mit jedem Jahr meine Stärken und Schwächen besser einschätzen und damit werden auch meine Pläne besser, sodass ich hoffentlich immer seltener meine Ziele verfehle. Doch auch die realistischsten Ziele und zielversprechendsten Pläne garantieren keinen Durchstieg! Aber doch immer einen persönlichen Erfolg!
Wenn du von diesem Erfahrungsschatz profitieren willst, erstelle ich mit dir deinen Plan zum Erfolg, damit 2026 dein bisher bestes Kletterjahr wird!
Next Year - 8a?!
Realistic Goal or Bold Dream?
8a For Real - No big Deal?
At this time of year, when the days are short and the evenings are long and we finally take the time to reflect, it suddenly becomes quite easy to set ambitious goals for the new year. But the line between a realistic goal and a bold dream is very thin. Some goals will never make the leap from a wish list into reality.
This is especially true when we let ourselves be guided too much by outside opinions while setting those goals: on social media we’re sold the idea that with the right mindset anything is possible. Stronger climbing friends, on the other hand, often play down how hard higher grades really are.
If, however, you manage to set your very own goals—free from oversimplification and trivialisation—you’re already on a good path towards real success.
The Sobering Reality of Missed Goals
In coaching, I regularly find in the very first conversation that there are three main reasons why climbers don’t reach their goals:
The goal is overambitious because progress comes more slowly than expected.
The goal is unrealistic because the foundation of skill and experience is missing.
The plan doesn’t match the goal because strengths and weaknesses are misjudged.
“Realising that your wishes will remain dreams is hard to bear – and worth avoiding.”
So the question is: which routes and which grades can realistically be on the list for next year, and which ones should be postponed to the year after—or even declared long-term life goals?
Of course, how high you aim depends a lot on how much physical and mental effort you’re willing to invest. But one thing is also clear: nobody becomes a master overnight.
Setting realistic goals: One “plus” per year
Progress, by its very nature, is slow. Even though we often talk as if a positive mindset had almost god-like powers, deep down we know that mindset alone is not enough. The most positive mindset in the world will not turn a couch potato into a training addict from one day to the next.
Quite the opposite: change takes time in every area of life—especially when it comes to building new habits and skills. Muscles, for example, depend on many strong stimuli; they don’t grow just because you drink protein shakes. Tendons and ligaments need years to adapt to new loads. And replacing inefficient movement patterns with elegant, efficient sequences takes drill-like repetition.
All of these adaptations sit on top of one thing: changed daily habits.
“How much time and energy new habits really require is massively underestimated.”
In my best years, I improved at roughly one “plus” per year. Each year I only made a small step, but at least a steady one—for example from 7b to 7b+, or from 7b+ to 7c, and so on up to 8c+. All those little sparks of improvement added up and eventually took me from 7b in 2013 to 8c+ in 2025.
The basis for this constant progress was not only a positive mindset and strong self-belief, but above all a steadily growing foundation of skill and experience.

Building a Foundation: The Climbing Pyramid
Any number multiplied by zero is still zero: nothing comes from nothing. If the physical, technical and mental foundation is missing, it becomes very hard to reach a new personal best.
To build a solid foundation, I recommend using the climbing pyramid as a guideline. It suggests an ideal ratio of climbed grades of 9:3:1.
Let’s say you want to climb your first 7a. Before that, you should have climbed nine 6c routes and three 6c+ routes. Once you’ve done that, your climbing ability will very likely allow you to send your first 7a. The odds are very much in your favour.
Even better if those nine base routes cover different styles, for example: vertical granite with cracks, steep tufa overhangs, polished limestone, pocketed conglomerate or bouldery sandstone.
“The more variety there is in your ascents, the more climbing skills you’ve already acquired – skills you can then apply in harder routes.”
The higher you move up your pyramid, the more your project should match your strengths. At the same time, the pyramid itself shouldn’t be set in stone, because beginners and experts handle long-term projects and seemingly insurmountable difficulties very differently.
That’s why a beginner’s pyramid can be a bit wider, for example:
12 × 6a / 6 × 6a+ / 2 × 6b,
while a pro’s pyramid can be steeper, for example:
3 × 8b+ / 2 × 8c / 1 × 8c.
“The more variety you have in your ascents, the more climbing skills you’ve already acquired – skills you can then draw on in harder routes.”
The higher you go up your pyramid, the more your project should match your strengths. At the same time, the pyramid should not be set in stone, because beginners and experts differ in how they handle long-term projects and seemingly insurmountable difficulties. That is why a beginner’s pyramid can be a bit wider: e.g. 12 × 6a / 6 × 6a+ / 2 × 6b – and a pro’s pyramid can be steeper: e.g. 3 × 8b+ / 2 × 8c / 1 × 8c.
The Right Plan: A New Training Focus
Chess demands exceptional mental performance, golf demands technical finesse, weightlifting demands raw power and running demands endurance. Climbing, however, is a sport that calls on many different skills in almost equal measure.
Many climbers try to reach the next level by simply adding more strength or more power endurance, while ignoring the influence of flexibility, technique, tactics and mental strength.
Be honest with yourself for a moment:
What do you mainly train for climbing? And does what you consistently do actually match your goals?
With a lot of strength you might be able to compensate for several other weaknesses, but an excess of endurance, for example, will not help you in the crux. Many climbers fundamentally overestimate or underestimate their abilities in the key performance factors.
Many men have more than enough upper-body strength, and many women often have more than enough endurance. What’s frequently missing, however, is:
a well-stocked movement repertoire
precise, efficient movement execution
the ability to remember and visualise movement
finger strength or body tension
What are you doing to work on these levers? What is your current training focus—and what should it actually be if you really want to reach your goals?

How Goals, Plans and Motivation Interact
Every time I have reached an important goal, it has been followed by a phase of lower motivation for climbing. The bigger the success, the longer it usually took me to regain that motivation. Most of the time this was because I had reached my goal but didn’t yet know what to aim for next. I overcame each of these unmotivated phases by setting myself a new goal and creating a plan for how to reach it.
“Good plans are my foundation – almost my mantra – for daily training.”
Even though I’ve always tried to set realistic goals (one “plus” per year and steadily maintaining my climbing pyramid), there were still some tough days or even weeks when reality caught up with me. Each time I arrived at the same insight: my plan didn’t match my goals. It simply didn’t take me where I wanted to go.
I never let go of my realistically set goals, and I always believed that one day I would get there. I knew that with the right plan—one that targets my personal weaknesses and the specific demands of the route—I would be successful.
“For me, the hard part has never been setting the goal or following the plan, but always creating the right plan in the first place.”
Fortunately, with every passing year I’m able to assess my strengths and weaknesses more accurately. As a result, my plans are getting better, and I hope I’ll miss my goals less and less often. That said, even the most realistic goals and the most promising plans can never guarantee a send—but they always guarantee personal progress.
If you’d like to benefit from this experience, I’ll work with you to build your plan for success—so that 2026 becomes your best climbing year yet.



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